Vergangenheit bewältigen

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Nächste Woche findet in Belfast eine interessante Konferenz statt, an der neben ausgewiesenen irischen Menschenrechts- und Kampagnengruppen, wie Relatives for Justice oder dem Pat Finucance Centre, auch der Verantwortliche für Menschenrechte im Council of Europe beteiligt ist.

Eine der zentralen Fragen des nordirischen Friedensprozesses und anderer Konfliktlösungsszenarien ist die Aufarbeitung der Vergangenheit. Insbesondere gilt dies für die Opfer des staatlichen Terrorismus, seien es Opfer der britischen Armee, der nordirischen Polizei und Geheimdienste oder der Zusammenarbeit dieser staatlichen Stellen mit pro-britischen Paramilitärs. Über Jahrzehnte hinweg haben Kampagnengruppen Stück für Stück die Wahrheit über den schmutzigen Krieg ans Licht gebracht – gegen den erbitterten Widerstand staatlicher Stellen.

Die Aufarbeitung der Vergangenheit hat als wichtigen Aspekt, die Wahrheit über den Nordirlandkonflikt, die beteiligten Parteien, ihre Interessen und ihre Handlungen ans Licht zu bringen. Denn eine echte Aufarbeitung des Konflikt wird es nur geben, wenn die Strippenzieher nicht länger im Dunkeln bleiben.

Der stellvertretende Chef der nordirischen Regionalregierung Martin McGuinness empfing im Vorfeld des Kongresses Angehörige der Opfer staatlicher Gewalt in Stormont, dem Sitz der nordirischen Regionalregierung. Er sagte: „Dies war ein besonders schwieriges Jahr für viele Familien in allen Teilen unserer Gesellschaft, die Wahrheit über den Tod ihrer Angehörigen und Gerechtigkeit suchen. Wir mussten mit ansehen, wie Familien die Untersuchung des Ballymurphy Massakers verweigert wurde. Wir sahen die Weigerung der (nordirischen Polizei) PSNI, Aktionen der Military Reaction Force zu untersuchen, … oder mit der Untersuchung im Falle Gerard Lawlor zu kooperieren, bzw. die versprochene Untersuchung des Mordes des Rechtsanwalts Pat Finucane zu untersuchen. Dokumente über Todesschüsse wurden nur Wochen vor der Untersuchung vernichtet … Es gibt viele verschiedene Sichtweisen auf die Ursachen des Konflikts, über das, was geschah, und wer die Verantwortung dafür trägt. Wir sind bereit zu einer Diskussion über die Natur, die Ursachen und die Konsequenzen des Konflikts. Die Frage ist: ist die britische Regierung ebenfalls bereit? …“


Foto: Kopf des Tagungsprogramms

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Siehe auch den Dokumentarfilm:  „Verlust der Unschuld – das Massaker in der McGurk’s Bar“ (deutsche Untertitel)

Eine Wandmalerei an der Ecke von Great Georges Street in Belfast ist das einzige, was von McGurk’s Bar noch übrig ist. Die Familien der Opfer hatten sie im Rahmen ihrer Kampagne zum 40. Jahrestag des Massakers angebracht. Fünfzehn Besucher des Pubs wurden am frühen Abend des 4. Dezember 1971, einem Samstag, durch eine Bombe pro-britischer Paramilitärs ermordet, 16 weitere erlitten zum Teil schwere Verletzungen, das Pub wurde völlig zerstört. Die britische Regierung und die nordirische Polizei RUC (Royal Ulster Constabulary) begannen sofort nach dem Attentat eine Kampagne, mit der sie das Attentat als „IRA-Eigentor“ darstellten und die Opfer zu Terroristen oder zumindest zu Symphatisanten erklärten. Zeugen wurden ignoriert, die Selbstbezichtigung eines der Täter stieß auf taube Ohren, Unterlagen verschwanden. zum Video (mit Hintergrundinformation) >>

 

 

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