Politisch motiviert

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Sinn Féin Präsident Gerry Adams wurde gestern von der nordirischen Polizei verhaftet.

Gerry Adams, Abgeordneter des irischen Parlaments und Präsident der irisch republikanischen Partei Sinn Féin, war von der nordirischen PSNI am Dienstag kontaktiert worden und hatte sich bereiterklärt, neue Untersuchungen der PSNI zum Mord an Jean McConville, die 1972 von der IRA als Informantin getötet wurde, zu unterstützen. Als er wie vereinbart um 20.00 Uhr abends eintraf, verhaftete ihn die PSNI unter dem „Terrorismusgesetz 2000“, nachdem er 48 Stunden unbegründet in Gewahrsam gehalten werden kann.

Seilschaften in der Polizei

In einer Stellungnahme erklärte der stellvertretende Regierungschef der nordirischen Regionalregierung Martin McGuinness, ebenfalls Mitglied von Sinn Féin, die Verhaftung von Gerry Adams sei politisch motiviert. McGuinness nannte Gerry Adams „die wichtigste einzelne Person“ des nordirischen Friedensprozesses. „In diesem Kontext sehe ich die Verhaftung von Gerry Adams als Versuch, den Ausgang der Wahlen zu beeinflussen, die in drei Wochen in ganz Irland stattfinden,“ sagte er.“Das wirft ernste Fragen über die Agenda der Verantwortlichen auf. Es gibt Elemente in der Polizei, die auf der dunklen Seite stehen und dies ist ihr Versuch, ihre Muskeln spielen zu lassen.“

Eine erst kürzlich durchgeführte Umfrage zeigt, dass Sinn Féin bei den Wahlen Ende Mai 2014 die stärkste Partei in beiden Teilen Irlands werden könnte. In Nordirland ist dies zu erwarten, im Süden ist es eine kleine Sensation, die die Partei ihrem energischen Widerstand gegen den von Troika und IWF verordneten Sozialabbau verdankt.

Die Vizepräsidentin von Sinn Féin, Mary Lou McDonald beschuldigt alte Seilschaften in der PSNI und innerhalb der pro-britischen Tradition. Es sei absurd, Adams als Verdächtigen zu behandeln, weil er freiwillig in den Norden gereist sei, um die Untersuchung zu unterstützen. Frau McDonald sagte, es gäbe Leute, bei denen die wachsende Stärke Sinn Féins die Alarmglocken leuten liesse und es gäbe Leute, die dem vor dem 23. Mai 2014 „Einhalt gebieten wollen.“

Sinn Féin Wahlkämpfer nicht entmutigt

In den Mainstream-Medien im Süden Irlands wird die Verhaftung von Gerry Adams denn auch als schwere Bürde für die Wahlen berichtet.Die kaum verhohlene Freude der Gegner Sinn Féins könnte sich allerdings als Bumerang erweisen, erklärt der nordirische Journalist Jude Collins: „Die Verhaftung von Gerry Adams wird die Sinn Féin Wahlkämpfer kaum entmutigen“, schreibt er in seinem Blog vom 1. Mai 2014. „Vermutlich wird sie sie eher anspornen. Dann könnte die Verhaftung von Gerry Adams am gestrigen Abend sehr schnell auf Sinn Féins Gegner zurückfallen und sie sprichwörtlich in den Wahlhintern beissen.“


Foto (Januar 2014): Gerry Adams erläutert die Unterstützung Sinn Fein’s für die Vorschläge von Richard Haas und Meghan O’Sullivan, die ausstehenden wichtigen Eckpunkte des 1998 geschlossenen Friedensabkommens zu lösen. Pro-britische Unionisten und die britische Regierung verweigern ihre Zustimmung zu dem Kompromissvorschlag.

Anmerkung: Am 30. April wurde Gerry Adams abends von der Polizei verhaftet, angeblich wegen Vernehmungen im Falle des Mordes an Jean McConville im Jahre 1972. Am selben Tag entschied die britische Nordirlandministerin Theresa Villiers, die Forderung der Familien des Ballymurphy Massakers nach einer Untersuchung des Mordes an 11 Zivilisten im August 1971 im Westbelfaster Stadtteil Ballymurphy abzulehnen. Der Unterschied zum Mord an McConville? Verantwortlich für das Massaker in Ballymurphy waren britische Soldaten des Regiments 1-Para, dieselben, die wenig später in Derry an Bloody Sunday 14 unbewaffnete Demonstranten ermordeten. Die Ermordeten in Ballymurphy: eine Mutter wie Jean McConville, ein englischer Sozialarbeiter, ein Pfarrer und Leute, die helfen wollten. Sie gelten offiziell heute noch als bewaffnete Terroristen. Diese Lüge aus der Welt zu räumen, führen die Angehörigen ihre Kampagne. Die Antwort der Nordirlandministerin kam am 30. April 2014: sie wolle weniger Fokus auf „Aktivitäten des (britischen) Staates“.

 

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