Mord in Belfast

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Im kleinen irischen Viertel Markets, das in der Nähe der Belfaster Innenstadt liegt, wurde am Dienstagvormittag der Sozialarbeiter Gerard (Jock) Davison (siehe Foto)  auf dem Weg zur Arbeit auf offener Straße erschossen. Kinder, die auf dem Weg zur Schule waren, wurden Zeugen des kaltblütigen Attentats.

Gerard Davison gehörte zu einer alteingesessenen Familie im stark irisch-republikanisch geprägten Markets-Viertel, wo er selbst lebte und arbeitete. Er hinterlässt seine Frau und drei Kinder. Anwohner und lokale Politiker zeigten sich schockiert über den Mord und über die brutale Weise, in der er in aller Öffentlichkeit durchgeführt wurde. Alex Maskey, Politiker der Linkspartei Sinn Féin und Abgeordneter des Regionalparlaments für den Wahlbezirk Südbelfast, zu dem auch Markets gehört, erklärte: „Gerard Davison und seine Familie sind hier gut bekannt. Er war als langjähriger Republikaner sehr angesehen“. Sinn Féin Präsident Gerry Adams übermittelte der Familie sein Beileid und appellierte an diejenigen, die zur Klärung des Mordes beitragen könnten, ihre Informationen an die Polizei weiterzugeben.

Die meisten britischen und irischen Zeitungen berichten, Gerard Davison sei ein früherer IRA-Kommandeur des Viertels gewesen. Fest steht, dass er den nordirischen Friedensprozess nach Kräften unterstützt hat. Die IRA (Irish Republican Army, Irisch Republikanische Armee) hat in einem Prozess der Demilitarisierung Nordirlands im August 2005 ihre Waffen zerstört und ist danach von der Bildfläche verschwunden. Das britische Militär demontierte parallel dazu die Mehrzahl ihrer festungsähnlich ausgebauten Überwachungszentren und zog einen großen Teil ihrer Soldaten aus Nordirland ab.

Der zuständige Ermittler der nordirischen Polizei PSNI erklärte, man habe noch keine heiße Spur, er glaube jedoch nicht, dass pro-britische Loyalisten oder militante republikanische Splittergruppen den Anschlag verübt hätten.

Drohungen gab es in den letzten Tagen auch gegen verschiedene Abgeordnete der Linkspartei Sinn Féin (SF). Auf das Haus des stellvertretenden First Minister Nordirlands, Martin McGuinness, ebenfalls Sinn Féin, in Derry wurde ein Anschlag verübt. Es gibt jedoch keinen Hinweis auf einen Zusammenhang mit dem Mord an Gerard Davison. Die Drohungen gegen SF werden vielmehr als Versuch gesehen, deren Wahlkämpfer einzuschüchtern und die Anti-Austeritäts-Wahlkampagne zu stören. Am morgigen Donnerstag, den 7.5.2015, werden in Nordirland wie in Großbritannien die Abgeordneten des britischen Unterhauses gewählt. Sinn Féin kandidiert zu diesen Wahlen, die Abgeordneten weigern sich jedoch, einen Eid auf das britische Königshaus zu schwören und nehmen deshalb ihre Sitze nicht ein.