Der Friedenspriester

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Alec ReidNordirland-Vermittler Alec Reid im Alter von 82 Jahren verstorben.

Am Freitag starb in der irischen Hauptstadt Dublin der bekannte katholische Priester Alec Reid, eine Schlüsselfigur des nord­irischen Friedensprozesses. Seit den 80er Jahren hatte er sowohl zwischen der irisch-republikanischen Bewegung und der britischen Regierung als auch zwischen den irischen Kräften im Norden und Süden der Insel vermittelt. In den Gewölben von Reids Kirche im West-Belfaster Stadtteil Clonard fanden die ersten geheimen Treffen zwischen der Sinn-Féin-Führung und den irischen Sozialdemokraten der SDLP statt. Später vermittelte Reid Gespräche zwischen den Nordiren und der damaligen Regierung der Republik Irland. Diese Konsultationen gelten als Grundstein für das Karfreitag-Friedensabkommens von 1998. Gerry Adams bezeichnete das Gotteshaus deshalb als »Wiege des Friedensprozesses«. Noch am Abend vor dessen Tod im St. Vincent-Krankenhaus in Dublin hatte der Sinn-Féin-Chef den Priester besucht. John Hume, langjähriger Vorsitzender der SDLP, sagte gegenüber BBC, daß ohne Reids Wirken der Weg zum Frieden in Nordirland weitaus länger gewesen wäre. Auch Hume nahm damals an konspirativen Sitzungen in den Kellern des Clonard-Klosters teil. Der amtierende irische Präsident Michael Higgins würdigte ebenfalls die Rolle des Friedensstifters.

Internationale Berühmtheit erlangte Reid 1988. Ein Foto, das um die Welt ging, zeigte ihn, wie er in Belfast über einem blutüberströmten britischen Soldaten kniet und betet. Das Bild entstand am 19. März 1988, nachdem es bei der Beerdigung für einen IRA-Mann zu einem folgenschweren Zwischenfall gekommen war. Ein ziviler PKW hatte sich in hoher Geschwindigkeit der Trauermenge genähert. Da erst wenige Tage zuvor bei einer Trauerfeier ein britischer Attentäter drei Menschen getötet hatte, erwartete die Menge erneut einen Anschlag. Der Wagen wurde gestoppt und umringt. Einer der beiden in zivil gekleideten Soldaten zog eine Waffe und schoß in die Luft. Die beiden Männer wurden jedoch überwältigt und von IRA-Angehörigen zu einem nahegelegenen Sportplatz gebracht. Als man die beiden durchsuchte, fand man Ausweise der britischen Armee. Das führte zu ihrer sofortigen Exekution führte. Reid war dem IRA-Kommando gefolgt und versuchte zu deeskalieren, konnte den Mord jedoch nicht mehr verhindern.

Seine damals erlangte Bekanntheit nutzte Reid später für Bemühungen um eine Annäherung zwischen den Konfliktparteien. Später gehörte Reid einer Kommission an, die die Selbstentwaffnung der IRA überwachte. Gegenüber CNN äußerte er 2006, daß die IRA eine »Antwort auf die Unterdrückung von Menschenrechten« in Nord­irland gewesen sei. Zuletzt bemühte sich Reid im Baskenland-Konflikt als Vermittler zwischen der Unabhängigkeitsbewegung und dem spanischen Staat.


Erstveröffentlichung: Junge Welt vom 26.11.2013 weiterlesen >>

Foto: An Phoblacht, 22. November 2013

Interview mit Alec Reid aus dem Jahr 2007 zum Konflikt im Baskenland
Der irische Priester Alec Reid spielte eine große Rolle im irischen Friedensprozess. Er agierte meist im Hintergrund. Bekannt wurde seine Vermittlungsrolle in der Öffentlichkeit, als er zusammen mit dem Methodistischen Pfarrer Rev. Harold Good im September 2005 bezeugte, dass die IRA ihr Waffenarsenal im Beisein der beiden Kirchenleute vernichtet habe. Jahrelang vermittelte Alec Reid im spanisch-baskischen Konflikt und hielt sich dort ebenso im Hintergrund. Die Verhaftung eines grossen Teils der Führung der baskischen Partei Batasuna am 4. Oktober 2007 in Segura veranlasste ihn, seine Zurückhaltung aufzugeben. Er gab den baskischen Journalisten Gari Mujika (GARA) und Xabier Martin (Berria) das folgende Interview über seine Sicht auf den spanisch-baskischen Konflikt und seine Vorstellungen, wie dieser Konflikt gelöst werden kann:

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